Krise zeigt: Diese Werte wieder schätzen lernen!

Krisen und Pandemien nerven gewaltig. Doch die Weltgeschichte zeigt uns, dass die Menschheit immer wieder dazugelernt hat. Schon jetzt haben wir Einsichten und Erkenntnisse gewonnen, die uns für die Zukunft besser aufstellen lassen. Vor allem Unternehmer und Führungskräfte sind jetzt gefordert, ihre Blickwinkel zu ändern, um auch das Gute darin zu sehen.

Die meisten sitzen seit März 2020 im Home Office. Nun heißt es aber raus aus dem Krisenmodus und lernen, mit dem Virus umzugehen und mit ihm zu leben. Die aus der Krise gewonnen Einsichten und Erkenntnisse können uns dabei helfen, um uns auf die richtigen Werte zu fokussieren:

Top 6 Erkenntnisse

Meine wichtigsten Erkenntnisse der letzten 12 Monate lassen sich in etwa so zusammenfassen:

  1. Video Calls funktionieren perfekt für regelmäßige Abstimmungen und zum Informationsaustausch – dank disziplinierter Abläufe und guter Moderation
  2. Mitarbeiter/innen arbeiten remote mindestens genauso gut wie vor Ort im Büro – und sind oft sogar produktiver
  3. für viele Arbeitnehmer/innen ist eine geregelte Arbeit wichtig für ihre eigene Balance – ohne fühlen sie sich nicht als vollwertiges Mitglied unserer Gesellschaft
  4. im Home Office fehlt oft die Distanz zwischen privat und Arbeit und kann zu unnötigen Stress führen – regelmäßige Spaziergänge und andere Aktivitäten in Freien sorgen für Abgrenzung und Entschleunigung
  5. tägliches Pendeln zur Arbeit in Stauzeiten ist unnötig und kostet Zeit – man wird zukünftig Teile seiner Arbeit von Zuhause aus machen und erst danach den Weg ins Office angehen
  6. durch die Einschränkungen wurde alles noch schnelllebiger – wir müssen deshalb bewusst und öfter reflektieren, um zu verstehen, was uns wirklich hilft

Fazit: Der Großteil der Kommunikation läuft komplett über digitale Kanäle. Video-Konferenzen haben sich bestens bewährt und geben Einblicke des Gegenübers in bisher unbekannte Wohn- und Familienverhältnisse. Kindergeschrei oder der Wäschehaufen im Hintergrund machen uns menschlicher und lässt uns zusammenwachsen. Remote Work funktioniert und wird bleiben – zumindest für die meisten Branchen.

Top 6 Werte

Die wichtigsten Werte, die ich dank der Erkenntnisse gewonnen und wieder zu schätzen gelernt habe:

1. Unnötige Präsenztermine vermeiden + Zeit durch remote Abstimmungen sparen

Als selbstständiger Coach und Mentor war ich vor dem 1. Lockdown noch viel unterwegs. Ich war es gewohnt, dauernd mobil zu sein. Dank Digitalisierung ja alles kein Problem. Gespräche führen, sich abstimmen, über Ziele diskutieren – stets vor Ort beim Kunden. Vieles davon hätte auch in einem 30-minütigen Video Call abgestimmt werden können. Schon seit Jahren biete ich remote Beratungen und Schulungen an, doch die Skepsis bei nicht nur älteren Auftraggebern war immer groß – zu sehr wurde der Präsenztermin als “normal” und notwendig angesehen.

Mittlerweile mache ich 95 % meiner Beratungen online – von Einzel-Coachings über Mentorings bis hin zu Workshops für ganze Teams. Fast alles kann mit der richtigen Kommunikationskultur und etwas Disziplin remote besser abgewickelt werden. Diese rasche Akzeptanz für diese neuen Arbeitsweisen haben wir der Pandemie zu verdanken, obwohl die Art und Weise der neuen Zusammenarbeit bereits vorausgesagt wurde. Die Zeit, die ich früher im Auto oder im Zug verbracht habe, nutze ich jetzt für mich.

Mehr persönliche Zeit durch Zeit-/Krisen-Management. Remote Work erleichtert regelmäßige Abstimmungen! #newWork

2. Mehr Freiraum auf engerem Raum + bewusste Auszeiten für mehr Lebensqualität

Bleiben wir bei Remote Work: Home Office ist für manche ein abgetrennter Raum und für manche der Küchen-Tisch oder die Wohnzimmer-Coach. Eine räumliche Trennung ist nicht immer einfach, zusätzlich verschwindet die Trennung von Arbeit, Freizeit und Alltag. Egal ob man alleine ist oder einen oder mehrere Partner hat: Freiraum haben war vor dem Lockdown ganz normal.

Das tägliche Miteinander auf immer gleichem Raum ist ungewohnt und erfordert Planung. Jeder muss auf die richtige Balance zwischen Alltag und Arbeit achten. Harmonie Zuhause wird notwendig, sonst fällt einem die Decke auf den Kopf. Bewusste Auszeit und fixe Zeitslots sorgen für Ausgleich – zB morgens 20 min Sport oder Yoga um sich auf dass Wesentliche zu besinnen, mittags Spaziergänge zum Entschleunigen und abends bei einem Buch entspannen.

Auszeiten sind wichtig. Erkenntnisse gewinnen aber auch! #Freiraumnehmenundgeben

3. Dankbar sein für was man hat

Die zuvor erwähnten Einschränkungen und Isolationen belastet jeden – sie machen aber auch die eigene Wohn- und Arbeitssituation transparent. Durch die Arbeitsplatz-Initiative der Jungen Wirtschaft haben sich viele Jungunternehmer frühzeitig Gedanken zum Arbeitsplatz zu Hause gemacht.

Ich habe durch vorgenommene Umstrukturierungen mittlerweile genug Rückzugsorte für alle in unserem Wohnungsverband. Neben aufgeteilten Wohnbereichen gibt es eigene Arbeitsbereiche, begrünte Außenbereiche sowie einen Park vor der Haustür. Diese Möglichkeiten haben nicht alle – ich denke da vor allem an arbeitende Eltern mit ihren Kindern in engen Großstadt-Wohnungen. Ich bin dankbar für das, was ich habe und bereit, zu teilen.

Dankbar sein für das was man hat und Möglichkeiten für räumliche Veränderungen vorantreiben. #esgibtimmerwaszutun

4. Wertvolle Momente genießen aber auch selbst generieren

Je mehr man sich mit der Pandemie und dem Virus beschäftigt, desto deprimierter wird man. Je mehr (Soziale) Medien, Tageszeitungen oder Nachrichten im Fernsehen man konsumiert, umso fehlinformierter ist man letztendlich. Sterbende Menschen und sich widersprechende Experten – nur Hypothesen, aber keine Wahrheiten.

Ich habe diese wertlosen und nur schwer zu ertragenden Inhalte reduziert und dafür in wertvolle Momente investiert. Ich überblickte meine persönlichen Highlights der letzten Jahre und stelle fest, dass ich bei Veranstaltungen, Firmenbesuchen und Gesprächen immer Notizen gemacht habe. Aussagen erfolgreicher Menschen, Tipps zum Unternehmertum und Philosophien zum Leben – alles sehr lehrreiche Informationen, über die ich froh war, sie gehört zu haben. Nun schreibe ich gerade an meinem ersten Buch, welches wertvolle Tipps für junge Menschen, Jungunternehmer und Führungspersönlichkeiten parat hält.

Besser sorglos Wertvolles liefern statt sorgenvoll Wertloses konsumieren. #valuableLife

5. Vertrauen ist besser als Kontrolle

Remote arbeiten funktioniert wie erwähnt mindestens genauso gut wie vor Ort im Büro arbeiten. Der Spruch “Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser” ist obsolet, weil sich die Art und Weise, wie Arbeit ausgeführt wird, in den letzten Monaten geändert hat. Eigenständiges Arbeiten im Team und Führung auf Distanz sind nicht nur möglich, sondern notwendig.

Neue Umstände fordern neues Denken. Trotz großer Herausforderungen geht alles seinen Weg – manchmal auch anders, was viele zum Nachdenken gebracht hat. Chefs und Führungskräfte sind gefordert, jedem einzelnen bei der Selbstorganisation zu Hause oder im Team zu unterstützen. Man kontrolliert nicht mehr wie gearbeitet wird, sondern an was gearbeitet wird: gemeinsame Planung und gemeinsame Ziele. Solange das Ergebnis passt, ist das Wie bzw. der Weg dorthin irrelevant. Deshalb heißt es im 21. Jahrhundert: “Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser”.

Vertrauen vor Kontrolle. Das Was vor dem Wie stellen. #gemeinsameZielvereinbarungentreffen

6. Freunde und Familie haben an Stellenwert gewonnen

Nach all den Erfahrungen und Werten fragt man sich des Öfteren: “Worauf kommt es im Leben eigentlich wirklich an?” Für manche ist es ein gutes Gespräch, ein Glas Wein oder ein gutes Buch – für andere ist es Kunst und Kultur, die Innovationskraft der Menschen oder starke Partner. Dadurch wird sichtbar, was uns alle schon länger abgeht: Zufallsbegegnungen, Schabernack am Schreibtisch, inspirierender Austausch beim Kaffee-Plauscherl, Diskussionen beim Feierabendbier, zusammen Erfolge feiern.

Aber auch die Erkenntnis, wie schnell und unverhofft jemand aus dem Leben gerissen werden kann, schärft den Blick auf die eigene Familie, auf die Eltern oder auf die Kinder. Die sonst ins Pendeln vergeudete Zeit wird einem morgendlichen Kuschel-Ritual mit den Kindern gewidmet. Der eigene Freundeskreis und die Familie als kleinste soziale Einheit unserer Gesellschaft wird wieder wichtiger. Alte Erinnerungen werden auf hochwertigen Fotos für die Ewigkeit festgehalten. Was wir heute nicht gemeinsam erleben und festhalten, werden wir irgendwann vermissen. Die ständige mediale oder berufliche Ablenkung sorgt oft für ein Verdrängen von Krankheit, Tod und anderen schrecklichen Ereignissen.

Wir dürfen dem hektischen Alltagstreiben nicht die Oberhand gewinnen lassen. #mehrAchtsamkeit #wenigerAblenkung
Wir müssen die uns verbleibende Zeit mit Freunden und Familie mehr schätzen. Und trotzdem den Wert der Arbeit erkennen. #wertvolleMomente




Remote Work: Was nach Corona bleiben wird

9 Monate Corona. Was als “vorübergehend” begann, etablierte sich – wie angekündigt – als Dauerläufer. Doch was bleibt wirklich vom Arbeiten im Home Office (eigentlich Remote Work)?

Corona hat die Arbeitswelt genau so definiert, wie es von einigen Zukunftsforschern vorausgesagt wurde: Führung auf Distanz, Video Calls, verteilte virtuelle Meetings und Home Office als “normale” Arbeit. Von zu Hause aus arbeiten war bereits im April 2020 normal: der Anteil der Österreicher im Home Office verdoppelte sich plötzlich auf über 42 %.

Plötzlich gings unbürokratisch

Auf einmal ging alles ganz schnell und einfach: remote Zugänge wurden erstellt, vorhandene Notebooks unkompliziert verteilt, Erlaubnisse und Zugriffe auf Daten genehmigt. Schwupps, und schon waren alle Leute, deren Jobs von daheim aus erledigbar sind, im Home Office. Wohin sind denn plötzlich die jahrzehntelangen Bedenken und Pseudo-Argumente wie “Geht nicht”, “Hatten wir noch nie” und “Wir brauchen Kontrolle!” verschwunden? Fix ist nur, dass es funktioniert hat und uns die Realität des 1. Lockdowns voll erwischt hat! #realitycheck

Aus vorübergehend wurde durchgehend

“Wir müssen den Laden am Laufen halten!” war die Parole der 1. Stunde. Jeder dachte, diese paar Wochen der Pandemie zu überstehen, damit dann alles wieder “normal” wird, wie zB der tägliche Weg ins Büro. Aus Tagen wurden Wochen, aus Wochen wurden Monate. Nach 9 Monaten zeigt sich nun, dass sich Teile des Arbeitsalltags für viele dauerhaft in die eigenen 4 Wände verlagert hat: Wäsche aufhängen und kochen während Meetings – das ging, das geht noch immer und das wird bleiben.

Unternehmerisches Denken immer wichtiger

Viele Jungunternehmer kennen es: das Privat- und Arbeitsleben vermischen sich zusehends immer mehr. Der Übergang von privat auf Job verschmilzt. Das bekommen nun auch viele Remote-Angestellten mit. Das wird die neue Normalität, mit all ihren Vor- und Nachteilen:

Vorteile Home Office

  • mehr Freizeit: täglichen Weg in die Arbeit ersparen
  • bessere Work-Life-Balance: private Dinge zwischendurch erledigen
  • mehr Fokus: keine “Unruhe” durch Kollegen oder Büro-Alltag
  • individuelle Bedürfnisse: Raumtemperatur, bequemes Outfit etc.
  • weniger Ausfälle: keine Ansteckungsgefahr durch Kollegen

Vorteile Büro

  • einfacher sozialer Austausch: Gespräche im Gang, bei der Kaffeemaschine oder beim gemeinsamen Mittagessen
  • Face 2 Face: kurze Abstimmung durch “rüber gehen”
  • bessere Abgrenzung: klare Trennung zw. Arbeit und privat
  • sichtbarer: Leistung bzw. Anwesenheit muss nicht kommuniziert werden
  • raschere Problemlösung: IT, HR, Buchhaltung etc. sind direkt vor Ort

Neutrale Aspekte

  • persönlicher / kreativer Austausch mit Kollegen ist vor Ort und remote möglich

Tipps für ein gutes Miteinander

  • regelmäßiger Austausch zum laufenden Projekt
  • regelmäßige Updates um Dinge “nebenbei” mitzubekommen
  • Deadlines vereinbaren
  • Vertrauen schenken um beidseitiges Vertrauen aufzubauen
  • Best Practices Beispiele kommunizieren, zB gesunde Mittagspausen im Home Office, Tipps zur Organisation zu Hause

Neue Arbeitswelt: weniger Flächen, mehr Raum für Technik

Eines ist fix: viele Tätigkeiten können besser und rascher oder zumindest gleich gut von zu Hause erledigt werden. Das ist auch der Grund, warum bereits viele Firmen über Neustrukturierungen ihrer Arbeitsplätze nachdenken. Büroflächen sollen reduziert werden, weil nicht mehr jeder Mitarbeiter jeden Tag im Büro sein muss, um seine Arbeit zu erledigen.

Die neue Arbeitswelt hat sich weiterentwickelt: virtuelle Räume haben Einzug in den Büroalltag genommen. Tasks wurden vom physischen Arbeitsplatz entkoppelt und können digital verfolgt werden. Grundlegende Veränderungen finden gerade statt. Hierarchische organisierte Unternehmen sehen sich (bald) im Nachteil, Chefs die für ihre Mitarbeiter denken müssen, damit diese nur mehr ausführen, werden zur Seltenheit. Dezentrale Arbeitskulturen manifestieren sich. Führungen auf Distanz ist trotzdem – oder gerade deswegen – notwendig.

Die Technik wird immer wichtiger, vor allem die für die unzähligen Video-Konferenzen, aber auch jene des guten Moderierens. Die Abstimmungsdichte nimmt gefühlt zu, das Tagesgeschäft darf dadurch nicht vernachlässigt werden. Wertvolle Arbeit und effizientes Arbeiten stehen im Vordergrund. #valuablework

Neue Arbeit heißt neue Arbeitskultur

Um das alles zu erreichen, muss man Leadership beweisen: auf Mitarbeiter eingehen, zuhören, delegieren und Verantwortung übergeben können. Das Management wie wir es bisher kennen wird verschwinden und sich auf die Planung von Ressourcen beschränken. Dafür kommen soziale Aspekte in der neuen Arbeitsstruktur mehr Raum: Ziele emotionalisieren, Mitarbeiter abholen und verteilte Teams gleichwertig einbinden. #distanceleading

Die Ziele und Hashtags für alle Führungskräfte müssen lauten: #wirgefühlstärken #talenteentdecken #teamleistung, damit Mitarbeiter im Remote Office motivierte und leistungsfähige Teammitglieder werden und bleiben.

Was bleiben wird nach Corona: weniger Raum (nur mehr Platz für 80 % der Belegschaft) dafür mehr Technik (für effektive Remote Video Calls).




Story Points vs Time Units

“Wie hoch ist der Aufwand?”, “Mit welcher Dauer müssen wir rechnen?” – typische Fragen im Projekt Business und Product Development. Im agilen Management ist das Ziel (“Was”) immer klar definiert, der Weg dorthin (“Wie”) jedoch unklar. Um den Aufwand für diesen unbekannten Weg zu bestimmen, helfen agile Schätzungen. Welche Vorteile agile Schätzmethoden im Vergleich zu klassischen Aufwandsschätzungen wie Personentagen haben, erklären wir hier.

Personentage nicht mehr zeitgemäß

In komplexen Umgebungen komplexe Aufgaben zu managen ist nicht ohne. Was dabei jedenfalls nicht hilfreich ist, sind präzise Antworten zu Umfang und Dauer. Deshalb haben viele gelernt, komplexe Aufwandsschätzung von der tatsächlichen Umsetzung bzw. der Entwickler-Geschwindigkeit zu entkoppeln. Wie? Mit der agilen Regel # 7:

Umfang und Dauer trennen

Man schätzt also nicht konkret, sondern abstrakt – am besten mit Größen aus dem Alltag wie einem T-Shirt. Beim T-Shirt-Sizing werden Kundenwünsche (meist als Epics formuliert) in Kleidergrößen von S bis XXL geschätzt, um ein Gespür für kleine und wirklich große Dinge zu bekommen. Nicht selten wird diese Technik in der Praxis aber missbraucht, indem man sich eine Matrix zurechtlegt die in etwa so aussieht: S = 3 PT, M = 5 PT usw.

Personentage = Dauer != Aufwand

Personentage stehen aber für klassische Schätzungen, weil klassische Aufwandsschätzungen sich mit Zeiteinheiten in h, d oder PT befassen, welche nicht für komplexe Umgebungen geeignet sind! Der Grund: je komplexer die Aufgaben sind, desto schwerer wird es vorherzusehen, wie viele Zeiteinheiten 1 Person für 1 Task benötigt. Zuviel Unvorhergesehenes  tritt auf und verzögert ggf. die Entwicklung: Abhängigkeiten zu anderen Teams und Abteilungen, Unterbrechungen durch andere Aufgaben, alte technische Schulden werden beglichen, div. Code Quality Issues, der täglich unterschiedliche Mood der DEVs usw.

Schätzung von Geschwindigkeit entkoppeln

Story Points stehen für agile Schätzungen, um Umsetzungsaufwände zeitgemäß zu schätzen. In agilen Projekten gibt es immer 2 Konstanten: Zeit + Budget. Das einzige was flexibel bzw. agil ist, ist der Umfang. Der Umfang ist das Ziel – und das Ziel dabei ist immer, möglichst viel von den richtigen Anforderungen umzusetzen. Es gilt deshalb den Weg zum Ziel zu schätzen und nicht den Aufwand.

Der Weg ist das Ziel

Ein Beispiel: Wir reisen für einen Kunden von Linz nach Innsbruck und wissen die ungefähre Entfernung (Anzahl der Kilometer). Wie wissen auch, wie wir dort hinkommen können: mit dem Auto, dem Zug oder dem Flugzeug. Die Entfernung bleibt in etwa die gleiche, aber die Zeit variiert je nach der Art und Weise der Reise, plus ein paar Unsicherheiten wie Wetter, Verkehrslage und Zeitpunkt.

Aufwands- statt Zeit-Einheiten

Es gilt also den Weg (km) zu schätzen und den damit verbundenen Aufwand (Distanz) von der Geschwindigkeit (v) zu entkoppeln. Es gilt den zurückzulegenden Weg zu schätzen und nicht den Piloten (ein Senior Dev mit Jet ist schneller am Ziel als ein Junior Dev mit Skateboard;). Die fixe Arbeitsmenge (= der zu erledigende Task mit seinem Gesamtaufwand an Entwicklung + Test + weitere Aktivitäten) bleibt die gleiche, die flexible Umsetzungsdauer wird aber dadurch entkoppelt.

Schätzen Sie deshalb immer den Weg – aber nicht das Zurücklegen diesen Weges!

 

Exkurs: Beispiele für Unterbrechungen

schlechte Infrastruktur (langsame Hardware, langsame Netzwerkverbindung, zu kleine Bildschirme, zu wenig Zugriffsrechte auf relevante Systeme), ineffiziente Kommunikation, schlechte Verfügbarkeit des POs (mindestens 50% der verfügbaren Arbeitszeit/Vollzeit), unnötiger Druck, schlechte Qualität, Mehraufwand, Frustration, Konflikte