Remote Work: Was nach Corona bleiben wird

9 Monate Corona. Was als “vorübergehend” begann, etablierte sich – wie angekündigt – als Dauerläufer. Doch was bleibt wirklich vom Arbeiten im Home Office (eigentlich Remote Work)?

Corona hat die Arbeitswelt genau so definiert, wie es von einigen Zukunftsforschern vorausgesagt wurde: Führung auf Distanz, Video Calls, verteilte virtuelle Meetings und Home Office als “normale” Arbeit. Von zu Hause aus arbeiten war bereits im April 2020 normal: der Anteil der Österreicher im Home Office verdoppelte sich plötzlich auf über 42 %.

Plötzlich gings unbürokratisch

Auf einmal ging alles ganz schnell und einfach: remote Zugänge wurden erstellt, vorhandene Notebooks unkompliziert verteilt, Erlaubnisse und Zugriffe auf Daten genehmigt. Schwupps, und schon waren alle Leute, deren Jobs von daheim aus erledigbar sind, im Home Office. Wohin sind denn plötzlich die jahrzehntelangen Bedenken und Pseudo-Argumente wie “Geht nicht”, “Hatten wir noch nie” und “Wir brauchen Kontrolle!” verschwunden? Fix ist nur, dass es funktioniert hat und uns die Realität des 1. Lockdowns voll erwischt hat! #realitycheck

Aus vorübergehend wurde durchgehend

“Wir müssen den Laden am Laufen halten!” war die Parole der 1. Stunde. Jeder dachte, diese paar Wochen der Pandemie zu überstehen, damit dann alles wieder “normal” wird, wie zB der tägliche Weg ins Büro. Aus Tagen wurden Wochen, aus Wochen wurden Monate. Nach 9 Monaten zeigt sich nun, dass sich Teile des Arbeitsalltags für viele dauerhaft in die eigenen 4 Wände verlagert hat: Wäsche aufhängen und kochen während Meetings – das ging, das geht noch immer und das wird bleiben.

Unternehmerisches Denken immer wichtiger

Viele Jungunternehmer kennen es: das Privat- und Arbeitsleben vermischen sich zusehends immer mehr. Der Übergang von privat auf Job verschmilzt. Das bekommen nun auch viele Remote-Angestellten mit. Das wird die neue Normalität, mit all ihren Vor- und Nachteilen:

Vorteile Home Office

  • mehr Freizeit: täglichen Weg in die Arbeit ersparen
  • bessere Work-Life-Balance: private Dinge zwischendurch erledigen
  • mehr Fokus: keine “Unruhe” durch Kollegen oder Büro-Alltag
  • individuelle Bedürfnisse: Raumtemperatur, bequemes Outfit etc.
  • weniger Ausfälle: keine Ansteckungsgefahr durch Kollegen

Vorteile Büro

  • einfacher sozialer Austausch: Gespräche im Gang, bei der Kaffeemaschine oder beim gemeinsamen Mittagessen
  • Face 2 Face: kurze Abstimmung durch “rüber gehen”
  • bessere Abgrenzung: klare Trennung zw. Arbeit und privat
  • sichtbarer: Leistung bzw. Anwesenheit muss nicht kommuniziert werden
  • raschere Problemlösung: IT, HR, Buchhaltung etc. sind direkt vor Ort

Neutrale Aspekte

  • persönlicher / kreativer Austausch mit Kollegen ist vor Ort und remote möglich

Tipps für ein gutes Miteinander

  • regelmäßiger Austausch zum laufenden Projekt
  • regelmäßige Updates um Dinge “nebenbei” mitzubekommen
  • Deadlines vereinbaren
  • Vertrauen schenken um beidseitiges Vertrauen aufzubauen
  • Best Practices Beispiele kommunizieren, zB gesunde Mittagspausen im Home Office, Tipps zur Organisation zu Hause

Neue Arbeitswelt: weniger Flächen, mehr Raum für Technik

Eines ist fix: viele Tätigkeiten können besser und rascher oder zumindest gleich gut von zu Hause erledigt werden. Das ist auch der Grund, warum bereits viele Firmen über Neustrukturierungen ihrer Arbeitsplätze nachdenken. Büroflächen sollen reduziert werden, weil nicht mehr jeder Mitarbeiter jeden Tag im Büro sein muss, um seine Arbeit zu erledigen.

Die neue Arbeitswelt hat sich weiterentwickelt: virtuelle Räume haben Einzug in den Büroalltag genommen. Tasks wurden vom physischen Arbeitsplatz entkoppelt und können digital verfolgt werden. Grundlegende Veränderungen finden gerade statt. Hierarchische organisierte Unternehmen sehen sich (bald) im Nachteil, Chefs die für ihre Mitarbeiter denken müssen, damit diese nur mehr ausführen, werden zur Seltenheit. Dezentrale Arbeitskulturen manifestieren sich. Führungen auf Distanz ist trotzdem – oder gerade deswegen – notwendig.

Die Technik wird immer wichtiger, vor allem die für die unzähligen Video-Konferenzen, aber auch jene des guten Moderierens. Die Abstimmungsdichte nimmt gefühlt zu, das Tagesgeschäft darf dadurch nicht vernachlässigt werden. Wertvolle Arbeit und effizientes Arbeiten stehen im Vordergrund. #valuablework

Neue Arbeit heißt neue Arbeitskultur

Um das alles zu erreichen, muss man Leadership beweisen: auf Mitarbeiter eingehen, zuhören, delegieren und Verantwortung übergeben können. Das Management wie wir es bisher kennen wird verschwinden und sich auf die Planung von Ressourcen beschränken. Dafür kommen soziale Aspekte in der neuen Arbeitsstruktur mehr Raum: Ziele emotionalisieren, Mitarbeiter abholen und verteilte Teams gleichwertig einbinden. #distanceleading

Die Ziele und Hashtags für alle Führungskräfte müssen lauten: #wirgefühlstärken #talenteentdecken #teamleistung, damit Mitarbeiter im Remote Office motivierte und leistungsfähige Teammitglieder werden und bleiben.

Was bleiben wird nach Corona: weniger Raum (nur mehr Platz für 80 % der Belegschaft) dafür mehr Technik (für effektive Remote Video Calls).