“Führung auf Distanz” ist möglich und notwendig!

“Führung auf Distanz” ist möglich und notwendig!

Corona hat uns fest im Griff. Die aktuelle Krise zeigt: Führungsqualitäten sind wichtiger denn je. Wie man sich als Führungskraft spätestens jetzt neu aufstellen muss und wie man über Home Office auch auf Distanz führen kann, erkläre ich in diesem Beitrag.

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Ja, ein Führen auf räumliche Distanz, ein Führen von remote-Teams, ein Führen im Home Office ist möglich!

Doch Führungskräfte und Mitarbeiter sind oft überfordert, weil eigentlich notwendige Schritte bisher nicht gemacht wurden, zB Regeln fürs Home Office aufzustellen, bevor die Heimarbeit angeordnet wird. Die Büro-Tätigkeit bisher kann nicht 1:1 in die eigenen 4 Wände überführt werden. Denn es fordert ein Umdenken in der Organisation und ein Aufstellen von klaren Regeln.

Home Office Regeln

Eine erfolgreiche Zusammenarbeit im Home Office – also remote Team-Arbeit – ist erst möglich, wenn sich das gesamte Team auf eine Leitlinie geeinigt hat. Das ist die Grundlage für den Vertrauensvorschuss der Führungskräfte und Kollegen. Hier ein paar Beispiel-Regeln aus der Praxis:

  • Erreichbarkeitszeiten: 9 – 11 Uhr bin ich gut erreichbar, ab 13 Uhr möchte ich fokussiert arbeiten
  • Gewünschte Antwortzeiten auf E-Mails: E-Mails sollen innerhalb 2 h beantwortet werden
  • Kommunikationsregeln: Emma moderiert, der Rest hört zu und berichtet wenn gefragt wird
  • Meeting-Routinen: täglich um 10 Uhr tauscht sich das Team zu den offenen Tasks aus

Führen im Home Office

Es gibt verschiedene Führungstypen, manche sind gut, manche schlecht, manche sehen Chancen, manche Risiken. Misstrauische Chefs kann in Krisen niemand gebrauchen: sie haben Angst vor Kontrollverlust (arbeiten Mitarbeiter auch wenn ich sie nicht sehe?) und wiegen sich in einer Pseudo-Sicherheit (ich sehe Mitarbeiter früh morgens kommen und abends wieder gehen, also haben sie auch gearbeitet). Gute Chefs wissen bereits: die reine Anwesenheit war noch nie ein gutes Messinstrument für die Leistung des Mitarbeiters.

Führen nach Ergebnis

Vertrauen schaffen

Um erfolgreich Teams führen zu können, welche nicht im Büro sitzen, muss als erstes ein Umdenken stattfinden: jahrzehntelang wurde “Command & Control” (so nenne ich Anwesenheit & Kontrolle) exerziert – man war gewohnt, immer und sofort auf den Mitarbeiter vor Ort zuzugreifen, um ihm zu erklären, was wie zu tun ist. Nun müssen Vertrauen aufgebaut, Regeln eingehalten und Medien eingesetzt werden:

Ziele setzen und erreichen

Gute Führungskräfte bewerten nach Ergebnis statt nach Anwesenheitszeit. Ich setze Wochen-, Sprint-, Monats- oder Quartals-Ziele und überprüfe diese, um eine optimale Auslastung zu finden. Solange diese Ziele erreicht wurden, sind alle glücklich – auch wenn Mitarbeiter ihre Tasks schon in 30 h erledigt haben.

Selbstorganisation als neue Art des Arbeitens

Diese neue Art des Arbeitens fordert klare Regeln und Selbstorganisation. Vor allem mit der neuen Selbstorganisation sind manche überfordert. Wie organisiere ich mich im Home Office? Gute Chefs unterstützen Mitarbeiter dabei und bieten Hilfe zur Selbsthilfe an.

Digitale Kommunikation mit neuen Tools

Nein liebe Konzerne, digitale Kommunikation heißt nicht Kommunikation per E-Mail! E-Mails sind out und für die intere Kommunikation absolut nicht zu empfehlen! Um Informationen in geordneter Form für alle zugänglich zu machen, eignen sich Team Tools wie Slack, Zoom und MS Teams besser, statt Posteingänge zu überfluten. Um das Team-Gefühl und die Produktivität aufrechtzuerhalten sowie um Missverständnisse zu vermeiden, muss klar kommuniziert werden sowie Gestik und Mimik der Kollegen erkennbar sein, weshalb immer Audio und Video (im Idealfall mit verschwommenen Hintergrund) eingeschaltet sein müssen.

Ziele von Zeit entkoppeln

Nicht nur die Ortsunabhängigkeit, sondern auch die Zeitunabhängigkeit wird immer wichtiger. So ermöglichen immer mehr Chefs jungen Eltern nicht nur von zuhause zu arbeiten, sondern auch wann sie wollen. Selten werden alle Mitarbeiter zu gleichen Zeit benötigt, weshalb manche Arbeitsschritte erst abends erledigt werden können.

Remote Work immer wichtiger

Noch ein weiterer Trend ist zu beobachten: die freie Wahl des Arbeitsortes – also nicht nur außerhalb des Büros sondern auch außerhalb der eigenen Wohnung zu arbeiten.

Leaders Manifest

Ein Leader, also eine moderne Führungskraft, hat mit großen Herausforderungen zu kämpfen, doch diese sind immer eine große totale Chance, um Prozesse zu beschleunigen. Wer die aktuelle Situation nutzt, hat die Chance, Unstimmigkeiten, Prozessfehler und Kommunikationslücken, die schon länger vorhanden waren, rasch sichtbar zu machen.

Folgendes Manifest gebe ich jedem Leader mit auf seinem Weg:

  • Das wichtigste Gut eines Unternehmens ist das eigene Team
  • Die wichtigste Währung eines Unternehmens ist das Vertrauen
  • Die stärkste Währung, um erfolgreich zusammenzuarbeiten (und um erfolgreich durch eine Krise zu kommen), ist das Vertrauen des Teams gegenüber dem Leader
  • Führung nach Ergebnis vor Führung nach Anwesenheit / Zeit
  • Vertrauen und Selbstorganisation vor Kontrolle und Pseudo-Sicherheit
  • Information für alle in geordneter Form statt wirre E-Mail-Attacken

Es gibt auch eine einfache Formel um als Gewinner aus der Krise hervorzugehen:

Fokus auf Team + Kultur der Zusammenarbeit = gerüstet für zukünftige Arbeitsmarkt